Fuß- und Sprunggelenk Fuß- und Sprunggelenk

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Dr. med. Wolfgang Kohlsche

Fußbeschwerden gehören zu den häufigsten orthopädischen Problemen. Meist lassen sie sich durch geeignetes Schuhwerk, Einlagen und ggfs. Maßschuhe erfolgreich behandeln. Für Patienten mit ausgeprägten Fehlstellungen und fortgeschrittener Arthrose kommen bei Versagen der konservativen Therapie operative Maßnahmen in Betracht. Dabei ist das Verfahren aus einem standardisierten Behandlungskonzept individuell für den Patienten zuzuschneiden und richtet sich nach Ausmaß und Ort der Fehlstellung, Ausprägung der Arthrose und den Bedürfnissen des Patienten. Heute ist es das Ziel, die Gelenke – insbesondere das Großzehengrundgelenk – möglichst zu erhalten. Neue Implantate gewährleisten eine sichere knöcherne Fixierung und machen nach Operationen an Vor- und Mittelfuß die Gipsruhigstellung weitgehend überflüssig. Während der Heilungsphase ist dann ein spezieller Entlastungsschuh und später Einlagen zu tragen, falls erforderlich.

Hallus Valgus
Die operative Korrektur beinhaltet die gerade Einstellung der Großzehe, die Entfernung des Ballens und die Verschmälerung des breiten Spreizfußes. Meist kommen Umstellungen am 1. Mittelfußknochen in Betracht, ggfs. auch die Versteifung des Gelenkes zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel. Das Korrekturpotential für den Spreizfuß ist für die fußwurzelnahen Verfahren am größten. Auch die Neuformung und die Versteifung des Großzehengrundgelenkes sind möglich. Immer kommen zusätzliche Weichteilkorrekturen zum Einsatz.

Umstellung des Köpfchens des 1. Mittelfußknochens (Chevron Osteotomie)

Umstellung des Köpfchens des 1. Mittelfußknochens (Schema)

Umstellung des Köpfchens des 1. Mittelfußknochens (am Kunstknochen)

Umstellung des Köpfchens des 1. Mittelfußknochens (Röntgenaufnahmen vor und nach Operation)

Basisnahe Umstellung des 1. Mittelfußknochens (Crescendic Osteotomie)

Mit dieser Methode läßt sich eine gute Korrektur des Hallux valgus und des Spreizfußes erreichen.

Basisnahe Umstellung des 1. Mittelfußknochens (Schema)

Basisnahe Umstellung des 1. Mittelfußknochens (am Kunstknochen)

Basisnahe Umstellung des 1. Mittelfußknochens (Röntgenaufnahmen vor und nach der Operation)

Versteifung des Gelenkes zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel (Lapidus Arthrodese)

Das Verfahren besitzt ein noch größeres Korrekturpotential und ist auch bei Instabilitäten in diesem Gelenk anzuwenden. Auch lassen sich mit der Korrektur der Großzehe Überlastungen der mittleren Zehen behandeln.

Versteifung des Gelenkes zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel (Schema)

Versteifung des Gelenkes zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel (am Kunstknochen)

Versteifung des Gelenkes zwischen dem 1. Mittelfußknochen und der Fußwurzel (Röntgenaufnahmen vor und nach Operation)

Hallux rigidus (Zerstörung des Großzehengrundgelenkes)

Je nach Ausmaß der Zerstörung kommt die Abtragung der Knochenkanten, die Verkürzung des 1. Strahles, die Neuformung und die Versteifung des Großzehengrundgelenkes in Betracht.

Neuformung (Arthroplastik) des Großzehengrundgelenkes (Röntgenaufnahmen vor und nach Operation)

Versteifung des Großzehengrundgelenkes (Röntgenaufnahmen vor und nach Operation)

Hammerzehen/Krallenzehen

Bei flexiblen Hammerzehen ist eine Sehnenverlagerung noch möglich, meist erfolgt die Versteifung des Zehenmittelgelenkes durch Drahtfixierung, zusätzlich Sehnenverlängerungen und Kapsellösungen.

Hammerzehe vor und nach Operation (Versteifung Mittelgelenk mit Draht)

Komplexe Fußdeformitäten

Für diese oft ausgeprägten Fehlstellungen ist die Kombination verschiedener Verfahren notwendig. Für den schmerzgeplagten Rheumatiker ist die komplette Vorfußkorrektur ein zumeist sehr gewinnbringender Eingriff.

komplette Vorfußkorrektur beidseits bei rheumatischer Vorfußdeformität (vor und nach Operation)

Plattfuß

Bei noch aufrichtbaren Deformitäten des jüngeren Patienten läßt sich der Plattfuß unter Gelenkerhalt durch Knochenverschiebungen am Fersenbein in Kombination mit Sehnenraffung an der Fußwurzel korrigieren, bei fortgeschrittener Arthrose und erheblicher Fehlstellung ist die korrigierende Versteifung die Methode der Wahl.

Verschleiß Fußwurzel/Sprunggelenk

Auch hier ist bei fortgeschrittener Arthrose und erheblicher Fehlstellung ist die Versteifung die Methode der Wahl.

Versteifung des oberen und unteren Sprunggelenkes (Röntgenaufnahmen vor und nach Operation)

Nachbehandlung

Die konsequente Nachbehandlung mit Entlastungsschuh bzw. Gips, Zügelung der Zehen in Korrekturstellung, Krankengymnastik, Lymphdrainage und später Fußbettungseinlagen ggfs. orthopädischen Maßschuhen ist für das Gelingen des Eingriffs entscheidend wichtig.

Vorfußentlastungsschuh/mit Puzzlesohle zur Entlastung der Großzehe

rheumatische Fußdeformität – Einlagenversorgung (Korklederschaleneinlagen in Sonderanfertigung)

Dr. med. Christian Büll

Die Behandlung der Fußerkrankung

In der Orthopädie hat dieses Thema vor allem im deutschsprachigem Raum lange ein Schattendasein geführt. Die Gründe dafür liegen zum Teil in alten Kulturwurzeln. Der Fuß war im Rahmen der Entwicklung des Menschen durch das Gehen auf dem Boden ohne und mit Schuhwerk immer verschmutzt. Er ist traditionell bei der Körperpflege immer z. B. den Händen gegenüber benachteiligt worden. Das Schuhwerk mußte sich meist modischen Ansprüchen und nicht der besonderen Funktion des Fußes unterwerfen. Diese Tendenz hat auch dazu geführt, dass man die Erkrankungen und die Funktion des Fußes erst spät erforschte. Auch die Operationsverfahren wurden nur stiefmütterlich weiterentwickelt. Noch bis vor wenigen Jahren gab es nur einige, meist gelenkverstümmelnde Operationen, zur Behandlung von Vorfußverformungen (z. B. Ballen – und Krallenzehenoperationen).

Der sogenannte „Ballen” (Hallux valgus)

Die Verformung der Großzehe mit Abweichung der Großzehe Richtung Kleinzehe und Ausbildung eines Ballens an der Innenseite des Vorfußes ist die häufigste Fußerkrankung. Ursache ist oft ein zu breiter Mittelfuß, die Mittelfußknochen liegen zu wenig parallel zueinander, sondern spreizen sich wie ein Fächer. Die Zehen richten sich meist nach der vorgegebenen Form des Schuhs, also einer eher die Zehen einengenden Form, aus. Dies führt dazu, dass am ersten Mittelfußknochen in seinem sogenannten Köpfchenbereich der Knochen mehr hervorsteht. Hier bildet sich zusätzlich noch Knochen, den der Körper sozusagen als Puffer gegen den erhöhten Schuhdruck aufbaut (Pseudoexostose) aufbaut. Vielfach entsteht über der Haut eine derbe Hornhaut (Schwiele), damit die Haut durch das Schuhleder nicht durchscheuert. Zusätzlich versucht der Körper eine Puffersubstanz zwischen der harten Haut und dem Knochen zu bilden. Hier wird ein Schleimbeutel (Bursa) angelegt. Diese kann sich mit Gewebswasser (Erguß) füllen und sich auch entzünden. Folge der starken Großzehenfehlstellung ist, dass die Gelenkflächenpartner nicht mehr passend zueinander stehen, sondern sich durch die ungleichmäßige Belastung ein vermehrter Abrieb im Gelenk, also eine Verschleißverformung (Arthrose) bildet.
Für diese Fehlform gibt es eine große Anzahl von Eingriffen, die durchgeführt werden können. Grundprinzip aller Eingriffe ist allerdings die Verschmächtigung des Vorfußes durch vermehrt parallele Einstellung, vor allem des ersten zum zweiten Mittelfußstrahls. Hat man bis vor kurzem diese Operation noch immer mit einem gelenkopfernden Eingriff (Resektionsarthroplastik) kombiniert, so versucht man bei den neueren, moderneren Verfahren das Gelenk zu erhalten.
Das Großzehengrundgelenk hat eine wichtige Bedeutung bei der Abrollfunktion des Fußes und bei der Lastaufnahme, beim Abstoß des Fußes und am Ende der Schrittbewegung. Soweit im Röntgenbild und auch bei der Untersuchung des Fußes noch keine besonders ausgeprägten Zeichen des Gelenkverschleißes bestehen, wird man immer dazu raten einen korrigierenden, gelenkerhaltenden Eingriff.
Alle aufgeführten Eingriffe kombinieren die Korrektur der Fehlstellung des Knochens und der Weichteile. Die oft lange bestehenden Zehenfehlstellungen führen dazu, dass Sehnen durch Annäherung von Ursprung und Ansatz zu kurz werden, oder dass sie auf der gegenüberliegenden Seite überdehnt sind. Diese Sehnenverkürzung und Überdehnung müssen zusätzlich unter dem Eingriff korrigiert werden. Man behandelt bei den modernen Operationsverfahren ohne Gips nach.
Mit einem Verbandsschuh ist der Patient sehr zügig wieder mobil. Lymphdrainage und Krankengymnastik unterstützen die Nachbehandlung. Ab der 5-6 Woche kann wieder normales Schuhwerk getragen werden.